BNN Juni 2006
Einladung zum Zappeln
Funk-Formation Feedbackbrothers in der Stadtmitte
Es begann mit einer Session vor drei Jahren, aus Spaß an partytauglichem Jazz. Jetzt haben die Feedbackbrothers ihre erste CD „Greatest Hits I“ fertiggestellt und waren deswegen in den vergangenen Wochen oft in Karlsruhe. Die sieben „Rückkopplungsbrüder“ kennen sich alle von der Musikhochschule Stuttgart, die meisten sind schon fertig mit dem Studium.
Der orangefarbene Raum mit Discokugeln in der „Stadtmitte“ ist wie geschaffen für ihre Mitwippmusik. Die Instrumental-Formation mit zwei Saxofonen und einer Posaune wirkt sehr entspannt, die Bläser sind bei ihren vielen zackigen Phrasen sauber aufeinander eingestimmt. Los geht es vor einem leider mageren, aber gut gelauntem Publikum mit dem namensgebenden Stück „Feedbackbrother“ von Peter Herbolzheimer, der deutschen Big-Band-Ikone der 70er Jahre.
In der Abwechslung zwischen souligem Jazz, schnellem Sambagroove und Swing, relaxtem Bluesfunk und Ska-Passagen laufen vor dem inneren Auge Verfolgungsjagden von Starsky und Hutch, ausgelassenen Partys mit Frei-Schnauze-Herumgetanze, aber auch Solodialoge großer Jazzbühnen ab: fiepsige Saxofon-Stellen von Florian Combosch und Andreas Geyer mit wohldosierter Improvisation von Posaunist Florian Seeger zeigen technische Fertigkeit und Spielfreude. Thorge Pries am Schlagzeug sorgt für einen verlässlichen funky Groove zusammen mit dem klaren Sound von Andreas Schäfers E-Gitarre und den Stakkato-Tönen aus Georg Bomhards Kontrabass – eigentlich ein sperriges Instrument für diese Art Musik.
Arrangiert wurden die meisten Songs von Gitarrist Andreas Schäfer und dem Stammkeyboarder der Feedbackbrothers, Bernhard Birk alias Böny B. „Er hat das Ganze ins Leben gerufen“, erzählt Andreas Schäfer, „aber heute haben wir eine Aushilfe am Keyboard“. Das fällt aber gar nicht auf: Ludwig Hornung wirft sich ebenso in die Soli wie seine Kollegen, färbt seine bemerkenswert improvisierten Passagen mit viel Witz und progressiven Ideen.
„Just another Story“ von der erfolgreichen Band Jamiroquai ist einer der schwierigsten Titel, den die sieben Jungs da bearbeitet haben: nach dem langen Intro wird es immer frickeliger bevor es im kontrollierten Saxofonchaos mündet – Konzentration ist angesagt. Danach gibt es aber einen entspannten Zusatzteil und die Leichtigkeit ist wieder hergestellt. Auf einem Flyer wird die Musik zusammengefasst als „Dancefloorjazz“. „Wir orientieren uns an den Songs vom ehemaligen Hamburger Mojo-Club – die haben uns gut gefallen, also haben wir sie ausprobiert“, erklärt Andreas Schäfer.
Den jungen Musikern und dem Publikum der Stadtmitte merkt man den Spaß an der Einladung zum Zappeln deutlich an. Schade, dass (wohl fußballbedingt) an diesem Abend nicht mehr Freunde des tanzfähigen Big-Band-Jazz gekommen sind.
Anneke Brüning
BNN Juni 2006